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← Magazin 05. Juni 2026
Mercedes · 13 min

Mercedes Pagode W113: Restaurations-Werkstatt-Markt 2026

Drei Reihen-Sechser, ein eingewölbtes Hardtop und ein Werkstatt-Markt im Umbruch: Aktuelle Markt-Werte für 230 SL, 250 SL und 280 SL, Stunden-Sätze der DACH-Spezialisten und die typischen Restaurations-Schwerpunkte.

Die Pagode-SL-Linie W113 ist seit über fünfzehn Jahren der verlässlichste Wertspeicher unter den deutschen Klassik-Roadstern. Gebaut zwischen 1963 und 1971, getragen von einem charakteristischen eingewölbten Hardtop, dem die Baureihe ihren Spitznamen verdankt, und ausgerüstet mit drei aufeinander folgenden Reihen-Sechs-Zylinder-Varianten, hat der W113 eine Markt-Logik entwickelt, die selbst durch die Pandemie-Schwankungen 2020 bis 2022 nicht erschüttert wurde. 2026 zeigt sich der Werkstatt-Markt allerdings spürbar verschoben – die Stunden-Sätze der Pagode-Spezialisten haben in den vergangenen drei Jahren um 25 bis 35 % zugelegt.

Die drei Motoren-Varianten im W113

Die Pagode-Linie startete im März 1963 mit dem 230 SL, der den Reihen-Sechs-Zylinder M127 mit 2306 cm³ Hubraum trug (Bohrung 82,0 mm, Hub 72,8 mm). Die Leistung lag bei 150 PS bei 5500 U/min, das Drehmoment bei 196 Nm bei 4200 U/min. Die Kraftstoff-Versorgung erfolgte über eine Bosch-Sechs-Stempel-Einspritzpumpe – die erste Großserien-Anwendung dieser Technik in der Mercedes-Klassik.

Ab Februar 1967 folgte der 250 SL als Übergangs-Modell mit dem M129-Motor, 2496 cm³ Hubraum (Bohrung 82,0 mm, Hub 78,8 mm). Die Leistung blieb bei 150 PS, das Drehmoment stieg auf 216 Nm – ein deutliches Plus für Beschleunigung und Berg-Verhalten. Der 250 SL wurde nur 13 Monate gebaut und ist heute die seltenste der drei Varianten.

Der 280 SL als Spitzen-Position der Linie kam im November 1967 und blieb bis März 1971 in Produktion. Der M130-Motor hatte 2778 cm³ Hubraum (Bohrung 86,5 mm, Hub 78,8 mm) und lieferte 170 PS bei 5750 U/min sowie 245 Nm bei 4500 U/min. Mit dem 280 SL erreichte die Pagode-Linie die heute am stärksten nachgefragte Konfigurations-Stufe – und die höchsten Markt-Werte.

Markt-Werte 2026 in Klasse 2 nach Classic-Data

Die Markt-Werte für die drei Pagode-Varianten in Klasse 2 (sehr gut) bewegen sich 2026 in folgenden Bandbreiten:

VarianteBauzeitKlasse 2 (sehr gut)Klasse 1 (Konzept-Zustand)
230 SL1963-196778.000-105.000 EUR120.000-155.000 EUR
250 SL1966-196885.000-115.000 EUR135.000-175.000 EUR
280 SL1967-197195.000-135.000 EUR155.000-210.000 EUR

Der 280 SL führt den Markt klar, mit Auktions-Spitzen-Resultaten, die bei nachweislicher Erst-Lack-Substanz und voll dokumentierter Werks-Historie 2025 bereits 245.000 EUR überschritten haben (Bonhams Goodwood Revival 2025). Die seltene Konfiguration „280 SL mit Vier-Gang-Schaltung und ZF-Sperr-Differential” liegt nochmals 15 bis 25 % über den Standard-Notierungen.

Restaurations-Werkstatt-Markt 2026: Die DACH-Spezialisten

Der Pagode-Werkstatt-Markt im deutschsprachigen Raum hat sich 2026 in drei Schicht-Segmente ausdifferenziert: Werks-nahe Premium-Anbieter, unabhängige Marken-Spezialisten und Generalist-Werkstätten mit Pagode-Erfahrung.

Premium-Segment (155-185 EUR/h): Brabus Classic in Bottrop hat sich seit 2018 als Werks-nah-Premium-Anbieter für Mercedes-Klassik etabliert. Die Werkstatt verfügt über zertifizierte Karosserie-Schweißer mit Pagode-Schwerpunkt und liefert nach Original-Werks-Standards mit voller Dokumentation für Concours-Vorlagen. Stunden-Satz 2026: 155-185 EUR. Vergleichbar positioniert ist das Mercedes-Benz Classic Center in Fellbach als Werks-Tradition-Anbieter mit Zugang zum kompletten Originalitäts-Archiv und werks-eigenen Re-Production-Teilen.

Marken-Spezialist (120-150 EUR/h): Schultes Mercedes-Klassik-Werkstatt in Stuttgart bedient seit drei Generationen ausschließlich Mercedes-Vorkriegs- und Nachkriegs-Klassik, mit Schwerpunkt auf der Pagode-Linie. Die Werkstatt ist die erste Wahl für Halter, die werks-gleiche Substanz wollen, aber nicht die Premium-Auf-Preise des Classic Centers tragen wollen. Stunden-Satz 2026: 125-145 EUR.

Generalist mit Pagode-Erfahrung (85-115 EUR/h): Werkstätten wie Karosserie Müller in Pforzheim oder die Klassik-Werkstatt Heimbach im Saarland decken den breiten Mittelstand-Bedarf ab. Stunden-Sätze 2026 bei 95-115 EUR, mit eingeschränkter Tiefe bei Bosch-Einspritzungs-Aufarbeitung, dafür mit voller Karosserie- und Lackier-Kompetenz.

Typische Restaurations-Schwerpunkte

Drei Bereiche dominieren die Pagode-Restaurations-Praxis 2026:

Karosserie-Substanz: Bodenblech und Schweller

Pagoden mit über 30 Betriebs-Jahren zeigen typisch Korrosion an den Schwellern, den Boden-Hälften unter den Sitzen und an den vorderen Wagenheber-Aufnahmen. Eine komplette Karosserie-Schweißer-Arbeit inklusive Schweller-Erneuerung beidseitig, Boden-Hälften-Reparatur und Wagenheber-Aufnahmen kostet 2026 zwischen 8.000 und 14.000 EUR – je nach Substanz-Ausgangs-Lage und Werkstatt-Schicht. Die Re-Production-Bleche kommen heute fast ausschließlich aus dem Mercedes-Benz Classic-Programm und kosten pro Schweller-Komplett-Satz rund 1.250 EUR, pro Boden-Hälfte 1.850 EUR.

Vergaser und Einspritzung

Der 230 SL hatte die mechanische Bosch-Sechs-Stempel-Einspritzung, der 250 und 280 SL eine weiterentwickelte Variante mit verbesserter Förder-Regelung. Eine komplette Einspritz-Pumpe-Überholung mit Stempel-Erneuerung, Förder-Mengen-Kalibrierung und Diesen-Druck-Prüfung liegt 2026 bei 1.800 bis 3.200 EUR – ausgeführt typisch bei Bosch-zertifizierten Einspritz-Spezialisten wie Bosch Classic München oder Diesel-Service Klein im Allgäu. Die Einspritz-Düsen selbst (sechs Stück pro Motor) kosten in der NOS-Variante rund 180 EUR pro Düse, als Bosch-Re-Production 95 EUR.

Lack-Komplett-Aufbau

Eine Konzept-Lackierung in werks-gleicher Schicht-Stärken-Aufbau (Grundierung, Füller, Decklack, Klarlack in Mercedes-Klassik-Spezifikation) kostet 2026 in der Marken-Spezialist-Schicht zwischen 12.500 und 18.000 EUR. Das Mercedes-Benz Classic Center berechnet für den vollwertigen Werks-Lackier-Aufbau mit Beschuss-Prüfung und Schichtdicken-Dokumentation 22.000 bis 28.000 EUR. Der Aufpreis rechtfertigt sich für Concours-Vorlagen, für die alltags-getriebene Klasse-2-Position ist die Marken-Spezialist-Lackierung der wirtschaftliche Standard.

Original-Ersatzteil-Quellen 2026

Die Pagode-Ersatzteil-Versorgung ist 2026 stabil. Drei Quellen dominieren:

  • Mercedes-Benz Classic-Programm mit eigenem Online-Bestell-System und Re-Production-Teilen für rund 80 % der gängigen Karosserie- und Mechanik-Positionen.
  • Niemöller Mercedes-Klassik-Teile (Hannover) als unabhängiger NOS-Spezialist mit kuratiertem Lager-Bestand und schneller Versand-Logistik.
  • Bud’s Benz (USA, weltweiter Versand) als Pagode-Spezialist mit Schwerpunkt auf Verdeck-Komponenten, Innenraum-Trim und Chrom-Teilen.

Der Hardtop-Markt – ein Pagode-spezifisches Segment, weil das eingewölbte Dach werks-seitig optional und heute oft separat gehandelt wird – liegt 2026 bei 8.500 bis 14.500 EUR für ein originales Hardtop in Klasse 2-Substanz, bei nachweislich werks-passender Farb-Kombination bis 18.000 EUR.

Fazit: Ein reifer Markt mit klarer Schicht-Logik

Die Pagode W113 ist 2026 kein Spekulations-Objekt mehr, sondern ein etablierter Sammler-Klassiker mit stabilen Markt-Werten und einer ausdifferenzierten Werkstatt-Landschaft. Wer den 280 SL in Klasse 2 sucht, plant 110.000 bis 130.000 EUR ein – plus ein Werkstatt-Budget von typisch 25.000 bis 45.000 EUR über die ersten fünf Halter-Jahre, je nach Restaurations-Tiefe. Der Markt belohnt Substanz-Käufe und bestraft Schnäppchen-Versuche an unterrestaurierten Fahrzeugen – eine Logik, die sich für den Pagode-Liebhaber 2026 verlässlicher abzeichnet als für die meisten anderen deutschen Klassiker-Linien.


Ressort: Mercedes